MariOH

Marine Quellen für die orale Gesundheit

Chronische Erkrankungen im Mundraum zählen weltweit zu den häufigsten Gesundheitsproblemen. Karies, Plaque, Gingivitis und Entzündungen entstehen durch orale Biofilme, bakterielle Stoffwechselaktivität, Demineralisierung des Zahnschmelzes und lokale Entzündungsreaktionen. Trotz etablierter Präventions- und Pflegekonzepte besteht Bedarf an neuen biofunktionellen Ansätzen, die die orale Gesundheit gezielt unterstützen.
Das Projekt MariOH – Marine Oral Health untersucht das Potenzial von Miesmuscheln und Zuckertang als marine Quellen bioaktiver Wirkstoffe. Die nachhaltig in Co-Kultivierung gewonnenen Rohstoffe sollen als Basis für funktionelle Additive dienen. Ziel ist es, Wirkstofffraktionen zu gewinnen, zu charakterisieren und geeignete Kombinationen für Lebensmittel und orale Pflegeprodukte zu identifizieren.
Im Fokus stehen polyphenolreiche Fraktionen aus Zuckertang und peptidreiche Fraktionen aus Miesmuscheln. Polyphenolen aus Algen, insbesondere Phlorotanninen, werden antibakterielle, antioxidative und biofilmhemmende Effekte zugeschrieben; Peptide aus marinen Proteinquellen können antientzündliche Eigenschaften aufweisen. Gemeinsam könnten beide Wirkstoffgruppen Biofilmbildung, oxidative Prozesse, Entzündungen sowie De- und Remineralisierung an zahnschmelzähnlichen Oberflächen adressieren.
Die Rohstoffe werden unter dokumentierten Zuchtbedingungen erzeugt, stabilisiert, fraktioniert und anschließend analysiert. Die Fraktionen werden in Testsystemen geprüft, unter anderem auf Hemmung der Biofilmbildung von Streptococcus mutans, antioxidative und antientzündliche Aktivität, Bindung an Hydroxyapatit als Zahnschmelzmodell sowie Retention im Speichel. Ergänzend werden Zusammensetzung und mögliche Wirkmechanismen mit modernen analytischen Verfahren charakterisiert.
Auf dieser Grundlage werden die vielversprechendsten Fraktionen ausgewählt und zu funktionellen Additiven weiterentwickelt. Geplant sind erste Funktionsmuster etwa für Lutschpastillen, Kaugummi, Zahnpasten oder Mundspülungen. Ein ausgewähltes Präparat soll zudem in einer humanen Interventionsstudie auf Effekte der oralen Gesundheit geprüft werden, einschließlich zahnmedizinischer Parameter und ausgewählter Bioproben zur Analyse metabolischer und mikrobieller Wirkmechanismen.
MariOH verbindet Expertise aus Aquakultur, Lebensmitteltechnologie, Biowirkstoffforschung und Zahnmedizin. Koordiniert wird das Projekt von Prof. Dr. Karin Schwarz am Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Weitere Partner sind die Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein sowie die Kieler Meeresfarm GmbH & Co. KG.

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