Das Prostatakarzinom ist mit jährlich ca. 70.000 Neuerkrankungen die häufigste Tumorerkrankung bei Männern in Deutschland. Trotz umfassender Früherkennungsstrategien sterben jedes Jahr rund 15.000 Patienten. Die Erkrankung ist durch eine hohe molekulare und zelluläre Heterogenität gekennzeichnet. Dies erschwert eine Risikostratifizierung zum Zeitpunkt der Diagnose erheblich. Während Niedrigrisiko-Tumoren häufig übertherapiert werden, werden aggressive (Hochrisiko-Karzinome) nicht selten zu spät erkannt.
Ziel des Ca4ProstateCA-Projektes ist es, die Prognose des Prostatakarzinoms zu verbessern. Dafür sollen Störungen des Calcium- und Kupfergleichgewichts im Knochen mithilfe der Messung der Verhältnisse stabiler Calcium- und Kupferisotopen im Blut sensitiv in einem frühen und potenziell heilbaren Stadium diagnostiziert werden.
Die beiden Biomarker basieren auf einem innovativen Messverfahren, das am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel entwickelt wurde. Der Calcium-Isotopenmarker wird bereits in der Osteoporosediagnostik eingesetzt. Um die diagnostische Treffsicherheit der Marker zu prüfen, wird das Blut von Patienten in klinischen Studien untersucht, wie es die internationalen Leitlinien für die Validierung eines Biomarkers vorsehen. Dabei kommt der Bestimmung von Einflussfaktoren durch gutartige Erkrankungen, insbesondere der Niere, und der Medikation eine große Bedeutung zu. Durch die Kombination beider Isotopensignaturen soll eine krebsspezifische Messung des Gleichgewichts der Knochenmineralisation ermöglicht werden. Dadurch wird eine bislang bildgebend nicht erfassbare frühe Entstehung von Knochenmetastasen nachweisbar. In dem Projekt wird ein Mess- und Klassifikationssystem entwickelt, für das im Anschluss an das Projekt eine Zertifizierung als neues In-vitro-Diagnostikum nach EU-Richtlinien (IVDR) angestrebt wird. In der Konsequenz soll eine präzisere, personalisierte Risikobeurteilung für die Prostatakrebspatienten ermöglicht werden.
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